WestfalenClassics Festival 2026

WestfalenClassics Festival 2026
Melancholische Heiterkeit - Klarinettenquintette

Büren, Gut Holthausen - Kapelle

Briloner Str. 80, 33142 Büren (Deutschland) - Karte
Online-Ticket
Radovan Cavallin, Klarinette
Gernot Süßmuth, Violine
Raphael Hevicke, Violine
Sara Kim, Viola
Jelena Ocic, Violoncello

Zwischen Mozarts Klarinettenquintett aus dem Jahr 1789 und Brahms’ Quintett von 1891 liegen zwar mehr als hundert Jahre Musikgeschichte, doch beide Stücke kreisen auf sehr persönliche Weise um Freundschaft und Abschied. Beide Komponisten begegneten Klarinettisten, deren Spiel sie unmittelbar inspirierte. Und beide liebten den warmen, der menschlichen Stimme so nahen Klang der Klarinette.

Als Mozart sein Klarinettenquintett schrieb, waren die großen Wiener Erfolge bereits passé, finanzielle Sorgen nahmen zu, und dennoch entstanden gerade in diesen Jahren einige seiner innigsten und reifsten Werke. Das Klarinettenquintett schrieb Mozart für Anton Stadler, einen der bedeutendsten Klarinettisten seiner Zeit, der ein Instrument mit erweitertem Tonumfang, die sogenannte Bassettklarinette, spielte. Deren dunkle tiefe Lage hatte es Mozart besonders angetan.

Im Klarinettenquintett lässt er das geliebte Instrument im Dialog mit den Streichern sprechen und atmen; man hört sich gegenseitig zu. Bereits der 1. Satz entfaltet sich mit einer beinahe schwerelosen Ruhe, wobei die Musik von einer feinen Melancholie durchzogen ist. Immer wieder verschmilzt die Klarinette mit den Streichern zu einem homogenen Klangkörper, löst sich dann wieder daraus hervor, wie eine Stimme aus einem Gespräch. Der langsame 2. Satz zählt zu den berührendsten Eingebungen Mozarts. Über ruhigen Streicherflächen singt die Klarinette eine weit gespannte Melodie – traurig und doch tröstlich zugleich.

Das Menuett bringt Bewegung und Leichtigkeit zurück, birgt aber mit seinen beiden Trios auch überraschende Kontraste: erst volksnah und tänzerisch, dann intim und lyrisch. Im Finale schließlich verbindet Mozart Variationskunst mit spielerischer Eleganz. Immer neue Charaktere entstehen aus einem simplen Thema – mal heiter, mal nachdenklich, dann virtuos oder beinahe opernhaft. Doch selbst die beschwingten Momente behalten etwas Zartes und Verletzliches. Wie Alfred Einstein schrieb: Musik „voll himmlischer Gelassenheit“.

Mehr als hundert Jahre später begegnete Johannes Brahms in Meinigen dem Klarinettisten Richard Mühlfeld, der ihn ähnlich beeindruckte wie einst Stadler Mozart. Brahms war damals eigentlich entschlossen, seine Laufbahn als Komponist zu beenden. Doch Mühlfelds Spiel inspirierte ihn so sehr, dass er erneut zu komponieren begann. Brahms nannte Mühlfeld bewundernd „das Fräulein Klarinette“, und Zeitgenossen berichteten, sein Ton habe „wie eine warme Altstimme“ geklungen. Genau dieser dunkle Klang prägt auch das Klarinettenquintett, dessen Stimmung von Beginn an herbstlich und geheimnisvoll ist.

Der 1. Satz ist ein markantes Beispiel für die brahms-typische „entwickelnde Variation“: Kleine musikalische Keime wandeln sich stetig, so dass die Musik wie ein fortlaufender innerer Gedanke wirkt. Immer wieder schafft Barhms schwebende Übergänge zwischen den Instrumenten, wobei oft kaum zu unterscheiden ist, wer gerade die führende Stimme spielt.

Der 2. Satz gleicht einem romantischen Lied ohne Worte. Im Mittelteil allerdings öffnet es sich zu einem leidenschaftlichen Abschnitt mit aparten Verzierungen der Klarinette. An dritter Stelle ersetzt Brahms das traditionelle Scherzo durch ein bewegtes Intermezzo: Musik, die nach innen gerichtet bleibt und nur momentweise an das Aufflackern vergangener Energie gemahnt.

Das Finale greift ebenfalls auf die Variationsform zurück. Doch während Mozart spielerisch verschiedene Charaktere entfaltet, scheint Brahms immer wieder denselben Gedanken zu umkreisen. Gegen Ende schaffen Anspielungen auf den Kopfsatz einen zyklischen Rückblick, der den Charakter des Abschieds noch verstärkt.

Einlass: 1 Stunde vor Beginn

Schüler bis 15 Jahre haben freien Eintritt und benötigen kein Ticket
Rollstuhlfahrer-Information
barrierefrei
Veranstalter: Westfalenclassics Festival e.V.
Bild links: © Westfalenclassics Festival e.V. / Bild rechts: © furtseff - Fotolia
Preise
 
1
Freie Platzwahl
Normalpreis€ 30.00
Schüler, Studenten ab 16 Jahren€ 17.00
Sa., 12.09.2026 - 19.00 Uhr Tickets bestellen